Schließzylinder selbst wechseln – so geht's richtig
Einen Profilzylinder tauschen Sie mit einem Schraubendreher in wenigen Minuten. Entscheidend sind das richtige Maß und ein Zylinder, der wirklich vor Einbruch schützt.
Um einen Schließzylinder zu wechseln, messen Sie zuerst Außen- (A) und Innenmaß (B) von der Mitte der Stulpschraube aus, lösen dann bei geöffneter Tür die Stulpschraube und ziehen den Zylinder mit leicht gedrehtem Schlüssel heraus. Der neue Zylinder wird in derselben Schlüsselstellung eingeschoben, festgeschraubt und sollte außen höchstens etwa 3 mm überstehen.
Wann sich ein neuer Schließzylinder lohnt
Der Schließzylinder ist das Bauteil, in das Sie den Schlüssel stecken. Er sitzt im Einsteckschloss der Tür und wird nur von einer einzigen Schraube gehalten – der Stulpschraube an der Türkante. Deshalb lässt er sich ohne Spezialwerkzeug austauschen, ohne dass das Schloss selbst ausgebaut werden muss.
Typische Anlässe für einen Wechsel sind:
- Schlüssel verloren oder gestohlen: Die polizeiliche Initiative K-Einbruch rät, den Zylinder in diesem Fall umgehend auszutauschen. Wer die Kosten trägt, erklären wir im Ratgeber Schlüssel verloren – wer zahlt?
- Einzug in eine neue Wohnung: Sie wissen nicht, wie viele Schlüssel der Vormieter hat nachmachen lassen.
- Verschleiß: Der Schlüssel hakt, lässt sich schwer drehen oder ist bereits einmal im Zylinder abgebrochen.
- Mehr Sicherheit: Ein einfacher Standardzylinder ohne Bohr- und Ziehschutz soll durch einen geprüften Sicherheitszylinder ersetzt werden.
Vorbereitung: Die Maße A und B richtig messen
Profilzylinder werden in zwei Teillängen angegeben, zum Beispiel 30/35. Gemessen wird jeweils von der Mitte der Stulpschraube bis zur Außenkante des Zylinders: Das Außenmaß heißt A, das Innenmaß B. Die Hersteller bieten die Längen meist in 5-mm-Schritten je Seite an.
Sie können auf zwei Wegen messen:
- Am ausgebauten Zylinder: Legen Sie den alten Zylinder auf eine ebene Fläche und messen Sie von der Mitte des Gewindelochs zu beiden Enden.
- An der Tür: Legen Sie einen Winkel oder ein Geodreieck außen am Beschlag an und messen Sie bis zur Mitte der Stulpschraube. Dasselbe wiederholen Sie innen. Ist kein Beschlag vorhanden, messen Sie von der Türoberfläche aus.
Wichtig ist, Außen- und Innenseite nicht zu vertauschen. Haben Sie einen neuen Schutzbeschlag eingeplant, messen Sie mit dem neuen Beschlag, denn dessen Stärke verändert das nötige Außenmaß.
Welcher Überstand ist erlaubt?
Ein Zylinder, der weit über Beschlag oder Rosette hinausragt, bietet Angreifern eine Angriffsfläche: Er lässt sich mit einer Zange packen und im schlimmsten Fall abbrechen. Hersteller wie ABUS und Winkhaus geben an, dass ein Schließzylinder höchstens etwa 3 mm überstehen sollte. ABUS weist außerdem darauf hin, dass bei größerem Überstand der Versicherungsschutz im Einbruchfall gefährdet sein kann. Ideal ist ein Zylinder, der nahezu bündig abschließt. Ist der Überstand nicht zu vermeiden, kann ein Schutzbeschlag mit Zylinderabdeckung ihn ausgleichen.
Innen ist der Überstand weniger kritisch. Achten Sie aber darauf, dass ein Drehknauf oder ein Smart-Lock-Aufsatz genug Platz hat.
Sicherheitsmerkmale: Darauf achten Sie beim Kauf
Die Sicherheitseigenschaften von Profilzylindern beschreiben die DIN EN 1303 und die gleichlautende DIN 18252 (Ausgabe 2018). Die Klassifizierung erfolgt über einen achtstelligen Code; der Angriffswiderstand steht an der letzten Stelle. Laut dem polizeilichen Herstellerverzeichnis für Profilzylinder sind Zylinder der Klasse A, besser B, empfehlenswert – mit zusätzlichem Ziehschutz die Klassen C, besser D.
| Klasse (letzte Stelle) | Bedeutung | Ältere Kennzeichnung |
|---|---|---|
| 0 | für Einbruchschutz ungeeignet | – |
| A | erste Sicherheitsklasse, ohne Ziehschutz | Angriffswiderstandsklasse 1 |
| B | höhere Sicherheitsklasse, ohne Ziehschutz | Angriffswiderstandsklasse 2 |
| C | erste Sicherheitsklasse, mit Ziehschutz | Angriffswiderstandsklasse 1 |
| D | höhere Sicherheitsklasse, mit Ziehschutz | Angriffswiderstandsklasse 2 |
Auf älteren Zylindern finden Sie oft Kürzel wie „BS“ für Bohrschutz und „BZ“ für Bohr- und Ziehschutz. Die Polizei empfiehlt, den Zylinder zusätzlich durch einen Schutzbeschlag nach DIN 18257 (mindestens Klasse ES 1) mit Zylinderabdeckung zu sichern. Hat der Beschlag keine Zylinderabdeckung, sollte der Zylinder selbst einen Ziehschutz haben. Mehr zu Schutzbeschlägen und weiteren Maßnahmen lesen Sie im Ratgeber Einbruchschutz nachrüsten, einen Überblick über Schlossarten bietet unser Beitrag zu den Türschloss-Typen.
Not- und Gefahrenfunktion
Ein normaler Zylinder lässt sich von außen nicht schließen, wenn innen ein Schlüssel steckt. Zylinder mit Not- und Gefahrenfunktion lösen dieses Problem: Sie lassen sich auch dann von außen öffnen. Das ist sinnvoll, wenn Kinder oder pflegebedürftige Angehörige im Haushalt leben – und Voraussetzung, wenn Sie innen ein Smart Lock montieren möchten, das dauerhaft auf einem steckenden Schlüssel sitzt.
Sicherungskarte
Hochwertige Zylinder werden mit einer Sicherungskarte geliefert. Nachschlüssel gibt es dann nur gegen Vorlage dieser Karte beim Hersteller oder Fachhändler. Wie das genau funktioniert, lesen Sie im Magazin-Beitrag Schlüssel nachmachen und Sicherungskarte.
Schritt für Schritt: Den Zylinder austauschen
Sie brauchen einen passenden Schraubendreher, den alten und den neuen Schlüssel sowie den neuen Zylinder in der richtigen Länge. Arbeiten Sie immer bei geöffneter Tür – so können Sie sich nicht versehentlich aussperren.
- Tür öffnen und Stulpschraube suchen: Sie sitzt an der Türkante im Stulp des Schlosses, auf Höhe des Zylinders.
- Stulpschraube lösen: Drehen Sie die Schraube ganz heraus und legen Sie sie beiseite.
- Schlüssel einstecken und leicht drehen: Drehen Sie den Schlüssel um etwa 30 bis 45 Grad (ABUS spricht von der „1-Uhr-Stellung“), bis der Schließbart im Zylinderprofil liegt und nicht mehr übersteht.
- Alten Zylinder herausziehen: Ziehen Sie am Schlüssel. Klemmt der Zylinder, bewegen Sie den Schlüssel leicht hin und her, bis die richtige Stellung gefunden ist – nicht mit Gewalt arbeiten.
- Neuen Zylinder vorbereiten: Stecken Sie den neuen Schlüssel ein und bringen Sie ihn in dieselbe Stellung.
- Neuen Zylinder einschieben und verschrauben: Schieben Sie ihn von außen ein, bis das Gewindeloch unter der Stulpbohrung liegt, und ziehen Sie die Stulpschraube fest, aber nicht übermäßig an.
- Funktion und Überstand prüfen: Schließen Sie bei offener Tür mehrfach von beiden Seiten auf und zu, testen Sie dann bei geschlossener Tür und kontrollieren Sie den Überstand außen.
Lässt sich der alte Zylinder nicht lösen, etwa weil der Schlüssel fehlt oder die Tür verschlossen ist, ist ein Fachbetrieb die bessere Wahl. Seriöse Betriebe in Ihrer Nähe finden Sie in unserem Verzeichnis.
Mietwohnung: Was Mieter beachten müssen
Als Mieter dürfen Sie den Schließzylinder Ihrer eigenen Wohnungstür in der Regel austauschen, solange Sie dabei nichts beschädigen. Anders sieht es aus, wenn der Zylinder Teil einer zentralen Schließanlage ist, mit der auch Haustür, Keller oder Briefkasten geschlossen werden – dann ist eine Abstimmung mit dem Vermieter nötig.
- Bewahren Sie den Originalzylinder, alle dazugehörigen Schlüssel und eine eventuell vorhandene Sicherungskarte sorgfältig auf.
- Beim Auszug bauen Sie den Originalzylinder wieder ein und geben sämtliche Schlüssel zurück, sofern Sie mit dem Vermieter nichts anderes vereinbart haben.
- Die Kosten für einen freiwilligen Wechsel tragen Sie selbst.
Schritt für Schritt
- Maße A und B messenVon der Mitte der Stulpschraube aus die Länge nach außen (A) und nach innen (B) messen und notieren.
- Stulpschraube lösenBei geöffneter Tür die Stulpschraube an der Türkante auf Höhe des Zylinders vollständig herausdrehen.
- Schlüssel in Ausbaustellung drehenSchlüssel einstecken und um etwa 30 bis 45 Grad drehen, bis der Schließbart im Zylinderprofil liegt.
- Alten Zylinder herausziehenAm Schlüssel ziehen; klemmt der Zylinder, den Schlüssel leicht hin und her bewegen, ohne Gewalt anzuwenden.
- Neuen Zylinder einsetzenNeuen Schlüssel in dieselbe Stellung bringen, Zylinder einschieben und mit der Stulpschraube fixieren.
- Funktion und Überstand prüfenBei offener und geschlossener Tür mehrfach schließen und prüfen, dass der Zylinder außen höchstens etwa 3 mm übersteht.
Häufige Fragen
Wie messe ich einen Schließzylinder richtig aus?
Messen Sie von der Mitte der Stulpschraube aus jeweils bis zur Außenkante des Zylinders – außen ergibt das Maß A, innen Maß B. Die Angabe lautet dann zum Beispiel 30/35.
Wie weit darf ein Schließzylinder überstehen?
Hersteller wie ABUS und Winkhaus empfehlen höchstens etwa 3 mm Überstand auf der Außenseite. Ein weiter herausragender Zylinder lässt sich leichter greifen und abbrechen.
Warum lässt sich der alte Zylinder nicht herausziehen?
Meist steht der Schließbart noch nicht in der richtigen Position. Drehen Sie den Schlüssel bei gelöster Stulpschraube langsam leicht hin und her, bis sich der Zylinder ohne Kraftaufwand herausziehen lässt.
Darf ich als Mieter den Schließzylinder austauschen?
In der Regel ja, sofern der Zylinder nur Ihre Wohnungstür schließt und nichts beschädigt wird. Den Originalzylinder sollten Sie aufbewahren und beim Auszug wieder einbauen.
Was bedeutet Not- und Gefahrenfunktion?
Ein Zylinder mit dieser Funktion lässt sich von außen auch dann öffnen, wenn innen ein Schlüssel steckt. Das ist praktisch für Haushalte mit Kindern oder älteren Angehörigen und nötig für viele Smart-Lock-Aufsätze.
Seriösen Schlüsseldienst in der Nähe finden: Im aufsperr24-Verzeichnis sehen Sie Leistungen, Öffnungszeiten und Bewertungen der Betriebe, bevor Sie anrufen.